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Kognitive Fähigkeiten des Menschen
Johannes Doll
Kognitive Fähigkeiten sind essenzielle Fähigkeiten des Menschen. Mit ihrer Hilfe ist der Mensch in der Lage,
Informationen aufzunehmen, sie zu verarbeiten und daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Außerdem gehört noch die
Fähigkeit der Erinnerung dazu. Es versteht sich somit von selbst, dass Defizite in diesen Fähigkeiten
schwere Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens, insbesondere der sozialen Dimension, hat.
Bevor ich einen Überblick über die einzelnen Fähigkeiten gebe, will ich die Sinne des Menschen darstellen,
da diese für einzelne Fähigkeiten unerlässlich sind.
Sinne des Menschen (bzw. sensorische Bedingungen)
* auditives System (Hören)
* vestibuläres System (Schwerkraft und Bewegung)
* propriozeptives System (Muskeln und Gelenke, Tiefen- oder Stellungssinn)
* taktiles (haptisches) System (Berührung, Tastsinn)
* visuelles System (Sehen)
* gustatorisches System (Schmecken)
* olfaktorisches System (Riechen)
Erst mit Hilfe dieser Sinne ist z.B. das Lernen möglich. Nun will ich einen kleinen Überblick
über die kognitiven Fähigkeiten des Menschen geben.
Aufmerksamkeit
Aufmerksamkeit ist die erste der kognitiven Fähigkeiten, die ich erwähnen will. Das menschliche Gehirn
kann nicht beliebig viele Reize auf einmal aufnehmen oder verarbeiten, die Ressourcen des Gehirns sind beschränkt.
Aufmerksamkeit bedeutet, diese Ressourcen auf bestimmte Dinge zu verteilen, zum Beispiel die Wahrnehmung der
Umwelt. Gedanken, Gefühle und das eigene Verhalten und Handeln sind weitere Beispiele.
Es findet also ständig eine Selektion der Reize, die auf ein Individuum einprasseln, statt. Wird einem Reiz oder
einer Information nicht binnen fünf Sekunden Aufmerksamkeit zugeteilt, ist die Information verloren.
Unterschieden wird hierbei zwischen Zuwendung(Orientierung) und Auswahl(Selektivität). Ersteres steht für eine
gesteigerte Wachheit und Aktivität, während die Selektivität wichtige und unwichtige Funktionen voneinander trennt.
Welchen Dingen widmet der Mensch nun seine Aufmerksamkeit? Das hängt von verschiedenen Faktoren ab,
je weiter eine Information von einer Mittellage abweicht, desto "interessanter" ist sie, und desto eher
wird sie mit Aufmerksamkeit bedacht. Unter diesen Faktoren sind:
* Größe und Reizintensität (Hitze, Hunger, ...)
* Bewegung (Vergleich zwischen sich bewegenden Objekten, sich nähernde Objekte, ...)
* Farbe (Kontraste, Farbkombinationen, ...)
* Scharfe und regelmäßige Begrenzung
* Auffällige Symmetrie
Wahrnehmung
Wahrnehmung besteht aus den Schritten Aufnahme, Interpretation, Auswahl und Organisation von sog.
sensorischen Informationen, also solchen, die über Rezeptoren wie Augen, Ohren, etc. aufgenommen werden.
Allerdings sind hier nur die Informationen gemeint, die auch tatsächlich geistig verarbeitet werden.
Wird die Aufmerksamkeit gesteigert, erhöht sich die Wahrnehmung, indem einem größeren Teil der
wahrgenommenen Informationen Beachtung geschenkt wird.
In der Philosophie hingegen bezeichnet man die Wahrnehmung hingegen als das Abbild der Realität
im zentralen Nervensystem.
Erkennung
Bei der Erkennung wird einer Wahrnehmung ein Begriff oder Konzept zugeordnet. Der Mensch erstellt
sich ein Modell der Umwelt, und vergleicht es meist mit einem bisher bestehenden Modell.
Gedächtnis / Erinnerung
Gedächtnis ist die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu speichern, zu ordnen und wieder abzurufen.
Dabei unterscheidet man folgende vier Prozesse:
Lernen bzw. Enkodierung: Neuaufnahme von Informationen in das Langzeitgedächtnis
Behalten: Durch regelmäßigen Abruf werden wichtige Informationen bewahrt
Erinnern bzw. Abruf: Reproduktion und Rekonstruktion von Gedächtnisinhalten
Vergessen: Durch konkurrierende Informationen zerfallen Gedächtnisspuren oder Abruf-Interferenzen.
Lernen
Lernen ist das Erwerben individueller Kentnisse bzw. geistiger und körperlicher
Fähigkeiten und Fertigkeiten. Indem der Mensch Veränderungen in der Umwelt wahrnimmt und
diese Information verarbeitet, ändert sich beim Lernen sein eigenes Verhalten systematisch.
Essenziell für das Lernen ist natürlich die Fähigkeit zur Erinnerung. Es reicht aber nicht,
einfach nur bestimmte Informationen zu speichern, sie müssen mit bereits Bekanntem verknüpft
und auf Regelmäßigkeiten überprüft werden.
Wendet man das Gelernte nicht regelmäßig an, kann es vergessen werden. Außerdem findet das Lernen
nicht immer bewusst statt, sondern häufig beiläufig und ungeplant. Dennoch kann man mit entsprechenden
Lernmethoden zu einem Lernziel kommen, das man sich selbst formuliert hat.
Für das Lernen sind die oben erwähnten Sinne des Menschen unerlässlich, nur mit ihrer Hilfe können
die nötigen Informationen überhaupt erst aufgenommen werden.
Abstraktion
Abstraktion bedeutet, konkretes Sinnesmaterial dahingehend zu verarbeiten,
dass man bestimmte äußere, zufällige oder individuelle Merkmale, Beziehungen und Eigenschaften
des Materials nicht beachtet und stattdessen Eigenschaften allgemeingültiger (bzw. unsichtbarer)
Eigenschaften zu setzen. Auch die Bildung von Modellen ist eine Abstraktion, da ein Modell nie
alle Eigenschaften und Merkmale des ursprünglichen Objektes besitzt, man ihm aber bestimmte Eigenschaften
oder ein Regelwerk zuweist (z.B. wie etwas funktioniert).
Es gibt drei Formen der Abstraktion:
* Generalisierende Abstraktion: Hier sucht man nach Verallgemeinerungen, Invarianten und übergreifenden Merkmalen,
also nach allem, was eine Sache haben muss, damit man ihm eine bestimmte Kategorie zuweist.
* Isolierende Abstraktion: Hier sucht man nach einzelnen, typischen Merkmalen.
Das ist z.B. gerade bei Karikaturen wichtig, da sie den Betrachter auf charakteristische Merkmale
eines Menschen lenkt, die betreffende Person aber trotz großer Abstraktion noch
erkennbar bleibt.
* Idealisierende Abstraktion: Hier geht man davon aus, dass kein Objekt "perfekt" ist und
alle real existierenden Objekte nur approximative Ausprügungen eines vollkommenen Ideals sind.
Schneidet man aus Papier einen Kreis aus, so ist er kaum ein exakter Kreis im mathematischen
Sinne, er ist eine Annäherung. Die menschliche Vorstellung des Kreises kommt damit auch nicht
von einem Muster, sondern von einer Idealdefinition.
Literatur
http://de.wikipedia.org/wiki/Kognition